My guardian Angel
- Lady Aislinn

- vor 4 Tagen
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 12 Stunden
Er trug keinen Heiligenschein, sondern eine perfekt sitzende Lederjacke, und sein Licht war nicht das eines fernen Sterns, sondern das warme Glimmen einer Straßenlaterne im Regen. Wenn Aidan durch die Fußgängerzone schritt, blieben die Menschen unwillkürlich stehen. Nicht, weil sie einen Engel erkannten, sondern weil seine Präsenz sich anfühlte wie der erste Schluck Kaffee an einem eiskalten Morgen: belebend, klar und verdammt attraktiv.
Sein Gesicht war von einer Symmetrie, die fast wehtat, so schön war sie, mit Augen so tiefblau wie der Ozean kurz vor einem Sturm. Er genoss es, inkognito zu sein. Es war wesentlich einfacher, jemanden vor einem herannahenden Bus zu bewahren, wenn man dabei aussah wie ein Model, dem man instinktiv den Vortritt ließ.
Während er an seinem Espresso nippte, beobachtete er die Welt mit einer Mischung aus Amüsement und tiefer Zuneigung. Sein „Job“ verlangte meist nur kleine Gesten – ein sanfter Stoß gegen die Schulter eines Träumers, ein verlorener Schlüssel, der im richtigen Moment klapperte. Dass er dabei aussah, als wäre er gerade einem Hochglanzmagazin entsprungen, war kein göttlicher Stolz, sondern ein taktischer Vorteil: Wer einem Gottgleichen in die Arme läuft, vergisst für einen Moment den Stress, der ihn erst in Gefahr gebracht hätte.
Er rückte seine Sonnenbrille zurecht, schenkte einer verzweifelten Studentin ein Lächeln, das ihre Sorgen für fünf Minuten in Luft auflöste, und verschwand in der Menge – ein Schutzpatron in Jeans, der den Himmel auf die staubigen Straßen der Stadt brachte.
Es war nicht allein die Makellosigkeit seiner Züge, die mich innehalten ließ, sondern diese irritierende, fast magnetische Anziehungskraft, die von ihm ausging. Er lehnte an der kühlen Backsteinwand, als gehöre ihm die ganze Straße, und das Spiel von Licht und Schatten auf seinem Gesicht wirkte wie von Meisterhand inszeniert.
Seine Haut hatte den Schimmer von warmem Elfenbein, und wenn er lachte, blitzte in seinen Augen ein Wissen auf, das weit über ein einziges Menschenleben hinauszugehen schien. Diese Augen – sie waren sein größtes Geheimnis. Mal wirkten sie wie ein tiefes Meer, mal wie der hellste Himmel, und jedes Mal, wenn er mich ansah, hatte ich das Gefühl, er könne nicht nur meine Fassade sehen, sondern auch all die ungeschriebenen Zeilen meiner Seele.
Er trug einen Duft nach sich, der sich jeder Beschreibung entzog: eine Mischung aus kühlem Regen, altem Pergament und einer Spur von wildem Thymian. Seine Bewegungen waren von einer raubtierhaften Eleganz, so geschmeidig, dass er beinahe über den Asphalt zu schweben schien. Jede Geste, vom Zurechtrücken seines Kragens bis hin zum beiläufigen Streichen durch sein dunkles, seidiges Haar, wirkte wie eine Einladung in eine Welt, die viel heller und intensiver war als meine eigene.
Er war kein stiller Beobachter im Hintergrund; er war das Zentrum des Sturms, ein blendendes Rätsel in Menschengestalt, das mich mit einem einzigen, wissenden Lächeln völlig aus der Fassung brachte.
Er kam mir so nah, dass ich die Kühle spüren konnte, die ihn wie eine unsichtbare Aura umgab. Es gab keinen Windhauch in dieser Gasse, und doch bewegten sich die losen Blätter am Boden in einem perfekten Kreis um seine Füße.
„Du suchst nach Antworten, wo es nur Fragen gibt“, raunte er, und seine Stimme klang wie das ferne Läuten von Silberglocken. Er hob die Hand, als wollte er eine widerspenstige Strähne aus meinem Gesicht streichen, doch er berührte mich nicht direkt.
Stattdessen blieb sein Finger einen Millimeter vor meiner Schläfe in der Luft hängen. In diesem Moment geschah es: Ein sanfter, goldener Schimmer pulsierte von seiner Fingerspitze aus, wie ein winziger Blitz, der lautlos in meine Haut überging. Plötzlich verstummte der Lärm der Stadt. Das Hupen der Autos, das Rauschen des Regens – alles wurde still, bis ich nur noch das rhythmische Schlagen meines eigenen Herzens hörte, das sich seltsamerweise mit seinem Atem synchronisierte.
Er zog die Hand zurück und lächelte dieses eine Lächeln, das gleichzeitig Abschied und Versprechen war. Als er sich abwandte und im dichten Nebel der Straße verschwand, sah ich für den Bruchteil einer Sekunde seinen Schatten an der Wand: Er entsprach nicht seinem Körper. Wo seine Schultern hätten enden müssen, breiteten sich gewaltige, silbrig schimmernde Schwingen aus, die die gesamte Mauer ausfüllten, nur um im nächsten Wimpernschlag mit ihm im Nichts aufzugehen.
Zurück blieb nur eine einzelne, schneeweiße Feder auf dem nassen Asphalt – und das brennende Gefühl auf meiner Haut, genau dort, wo er mich fast berührt hätte.
Es war der Moment, in dem die Unsterblichkeit Risse bekam. Als ich die Feder vom nassen Boden aufhob, war sie nicht weich wie Daunen, sondern vibrierte vor einer fremden, warmen Energie. Ich sah auf und er war noch da – nicht mehr als schwindender Schatten, sondern fest verwurzelt am Ende der Gasse, die Schultern leicht gesenkt, als trüge er plötzlich das Gewicht der ganzen Welt.
Er kehrte um. Seine Schritte waren nicht mehr schwebend, sondern schwer, beinahe menschlich. Als er vor mir stehen blieb, war das blendende Licht in seinen Augen einem tiefen, sehnsuchtsvollen Glanz gewichen. Er, der die Ewigkeit kannte, sah mich an, als wäre ich das Einzige, was im Hier und Jetzt zählte.
„Ich sollte dich nur bewahren“, flüsterte er, und seine Stimme brach ganz leicht, ein zutiefst menschlicher Makel, der ihn schöner machte als jede himmlische Perfektion. „Aber wie soll ich den Himmel bewundern, wenn die Sonne direkt vor mir steht?“
Er griff nach meiner Hand, und diesmal zögerte er nicht. Seine Haut brannte auf meiner, ein Feuerwerk aus verbotenen Gefühlen. In diesem Augenblick wurde mir klar: Er gab seine Unverwundbarkeit auf, nur um das Zittern meiner Finger zu spüren. Sein geheimnisvolles Äußeres schien zu schmelzen, legte einen Kern frei, der so verletzlich und voller Hingabe war, dass es mir den Atem raubte.
Wir standen dort, zwischen den Welten, zwei Wesen, die sich niemals hätten finden dürfen. Sein Blick brannte sich in meinen, ein Versprechen, das über das Schicksal hinausging. Er war mein Schutzengel, ja – aber in seinen Augen las ich, dass er ab jetzt bereit war, für eine einzige Nacht mit mir seine Flügel gegen ein sterbliches Herz einzutauschen.
Er zog mich in den Schatten eines Torbogens, wo das Licht der Stadt uns nur noch wie ein ferner Schimmer erreichte. Seine Hand lag fest in meiner, und zum ersten Mal spürte ich, dass er zitterte.
„Ich habe Sterne sterben und Welten entstehen sehen“, begann er, und seine Stimme war nun frei von jeder himmlischen Distanz, rauchig und tief. „Nichts davon hat mich so erschüttert wie der Schlag deines Herzens unter meiner Hand. Ich will nicht mehr nur dein Wächter sein, der aus der Ferne zusieht. Ich will den Regen auf meiner Haut spüren, wenn ich neben dir gehe, und das Vergehen der Zeit in deinen Augen lesen. Ich liebe dich mit einer Wucht, für die es im Himmel kein Wort gibt.“
Doch während er sprach, geschah etwas Schmerzhaftes. Ein feiner, silberner Staub löste sich von seinen Schultern und verwehte im Wind. Sein blendendes Aussehen veränderte sich; die unnatürliche Perfektion wich einer menschlichen Wärme. Kleine Fältchen um seine Augen, ein winziger Kratzer an seiner Hand – er wurde real.
„Der Preis für diesen Moment ist meine Ewigkeit“, flüsterte er, und ein Schatten von Wehmut huschte über sein Gesicht. „Jeder Kuss, den ich dir schenke, verkürzt mein unendliches Dasein. Ich tausche das Licht des Paradieses gegen das Grau des Alltags an deiner Seite. Ich werde bluten, ich werde altern, und eines Tages werde ich sterben. Aber lieber ein einziges, sterbliches Leben mit dir, als zehntausend Jahre einsam über den Wolken.“
Er lächelte, und es war das schönste und zugleich traurigste Lächeln, das ich je gesehen hatte. Er war nun kein Engel mehr, der mich behexte, sondern ein Mann, der alles für mich aufgegeben hatte.
Das Licht, das durch die Ritzen der Jalousien fiel, war kein himmlisches Strahlen mehr, sondern das ehrliche, staubige Gold eines ganz normalen Dienstagmorgens. Es tanzte auf dem Bettlaken und auf seiner Haut, die sich nun so unglaublich echt anfühlte – warm, weich und lebendig.
Ich beobachtete ihn beim Aufwachen. Das erste Mal, dass er wirklich schlief, anstatt nur über mich zu wachen. Seine Züge hatten jene überirdische Strenge verloren; er sah jetzt fast verletzlich aus, die dunklen Haare zerzaust auf dem Kissen. Als er die Augen aufschlug, fehlte das unheimliche Leuchten der Ewigkeit. Stattdessen war da ein tiefes, menschliches Blau, das mich mit einer Intensität ansah, die mir den Atem raubte.
„Guten Morgen“, murmelte er leise. Er schmunzelte über den ungewohnten Klang seiner eigenen, belegten Stimme. Er streckte sich, und ich sah, dass die Haut auf seinem Rücken nun glatt war – keine Narben, keine Andeutung von Schwingen mehr, nur die kraftvollen Muskeln eines Mannes.
Er griff nach meiner Hand und führte sie an seine Brust. „Hörst du das?“, flüsterte er. Unter meinen Fingern schlug sein Herz, schnell und unregelmäßig, berauscht von der neuen Erfahrung, sterblich zu sein. „Es ist laut. Und es schlägt nur für diesen Moment.“
Er zog mich näher an sich, und während der Duft von frischem Kaffee von der Straße hochzog, merkte ich, dass er das „Blendende“ nicht verloren hatte. Er war jetzt nur greifbarer geworden. Er war kein Wunder mehr, das ich anbeten musste, sondern ein Mensch, den ich halten konnte.
Er saß am Küchentisch und starrte die dampfende Tasse vor sich an, als wäre sie ein heiliges Relikt. Als er den ersten Schluck Kaffee nahm, weiteten sich seine Augen. „Es ist... bitter. Und heiß. Und es weckt Geister in mir, von denen ich nicht wusste, dass ich sie besitze“, murmelte er mit einem rauen Lachen. Er genoss die Intensität des Geschmacks, die ihn fast taumeln ließ, weit weg von der faden Perfektion des Ätherischen.
Dann passierte es: Er schnitt sich beim Aufschneiden eines Apfels ganz leicht in den Finger. Er hielt inne, starrte auf den winzigen, rubinroten Tropfen, der auf seiner Haut erschien. Es war kein goldenes Licht, das austrat, sondern echtes Blut. „Es brennt“, sagte er leise, und in seinem Blick lag kein Erschrecken, sondern eine fast kindliche Faszination. „Ich fühle mich so... scharfkantig. So präsent.“
Später standen wir am offenen Fenster. Ein kühler Herbstwind strich herein, und ich sah, wie sich auf seinen Armen zum ersten Mal eine Gänsehaut bildete. Er schauderte und lachte gleichzeitig, während er sich in einen groben Wollpullover hüllte. „Die Luft hat ein Gewicht“, stellte er fest und zog den Stoff fest um sich. „Alles hat eine Textur, ein Ende und einen Anfang.“
Er sah mich an, und ich merkte, dass er das Staunen eines Kindes mit der Seele eines Uralten verband. Jede Berührung, jeder Windhauch und sogar das einfache Ticken der Küchenuhr waren für ihn kleine Wunder der Endlichkeit, die er mit einer Hingabe aufsaugte, die mich zutiefst berührte.
Wir saßen am Abend auf der schmalen Dachterrasse, während die Stadt unter uns in ein Meer aus künstlichen Lichtern tauchte. Früher war er über diese Dächer geglitten, unberührt von der Kälte, ein bloßer Beobachter der menschlichen Regsamkeit. Doch jetzt saß er da, in eine schwere Decke gehüllt, und starrte auf seine leeren Hände.
„Was fühlst du?“, fragte ich leise und rückte näher an ihn heran.
Er sah mich an, und sein Blick war so tief, dass ich darin versinken wollte. „Ich fühle eine Leere, wenn du nur einen Meter von mir entfernt bist“, gestand er, und seine Stimme zitterte leicht vor der Wucht dieser neuen Erkenntnis. „Als ich ein Engel war, warst du ein Auftrag, eine Seele, die es zu bewahren galt. Ich war immer bei dir, aber ich war nie da.“
Er nahm meine Hand und verschränkte seine Finger so fest mit meinen, als hielte er sein ganzes Leben fest. „Jetzt, wo ich sterblich bin, lerne ich, was Sehnsucht bedeutet. Es ist dieser ziehende Schmerz in der Brust, wenn ich daran denke, dass dieser Moment irgendwann vorbei sein wird. Es ist die Angst vor dem Morgen – und gleichzeitig die unbändige Gier nach jeder Sekunde mit dir.“
Er beugte sich vor, bis seine Stirn die meine berührte. Ich konnte die Hitze seines Körpers spüren, das berauschende Aroma von Haut und dem Wollpullover. „Früher war die Ewigkeit mein Zuhause. Jetzt ist mein Zuhause dieser winzige Raum zwischen deinem Atem und meinem.“
Als er mich küsste, war es kein sanftes Streifen mehr, sondern ein verzweifeltes, wunderschönes Festhalten an der Realität. Es war der Kuss eines Mannes, der alles für die Zerbrechlichkeit der Liebe eingetauscht hatte – und in diesem Moment war er schöner und strahlender als jedes Licht des Himmels.
Text und Clips erstellt mit KI


